Projekte

CampusVäre

Bauherr
Stadt Dornbirn
Ort
Dornbirn | AT
Typologie
Büro und Produktionsgebäude
Fertigstellung
2026
Fotografie
Dominik Kummer

In den geschichtsträchtigen Sägerhallen (ehem. F. M. Hämmerle) in Dornbirn entsteht auf rund 12.000 m² in sechs Hallen mit der CampusVäre ein Zentrum für Innovation, Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur. Die Transformation ist als langfristiger Prozess angelegt. „Meter für Meter” lautet das Leitmotiv: Die Hallen werden nicht neu erfunden, sondern um-, aus- und weitergebaut.

Halle 4, ein Bau der 1980er Jahre, setzt diese Haltung konsequent um. Hier entstanden 21 Büroeinheiten für Start-ups und Kreativunternehmen sowie Gastronomie, Seminar- und Besprechungsräume. Gebrauchsspuren, rohe Oberflächen und konstruktive Zeugnisse früherer Nutzungen bleiben sichtbar. Die Architektur sucht ihre Qualität nicht im Perfekten, sondern im Vorgefundenen, im Weiterverwenden und im Transformieren.

Den räumlichen Mittelpunkt bildet ein Innenhof mit drei Bäumen. Durch den Rückbau eines Teils des Betondachs gelangt das Tageslicht tief ins Gebäude. Die Büroeinheiten reihen sich strangförmig um den Hof, das Hallenvolumen bleibt als zusammenhängender Raum erfahrbar. Teeküchen, Besprechungs- und Sanitärräume liegen bewusst außerhalb der Mietflächen und provozieren zufällige Begegnungen.

Die Fassade des Innenhofs besteht überwiegend aus zwanzig großformatigen Fenstern, die aus dem benachbarten Bibliotheksgebäude der FH stammen. Neue Elemente ergänzen die Randbereiche. Lüftungslamellen lassen Frischluft passiv einströmen, Öffnungen über dem Dach führen die Abluft ab, geregelt nach Temperatur und CO₂-Gehalt. Da die Halle unbeheizt bleibt und annähernd Außenluftqualität besitzt, entfällt eine zentrale Lüftungsanlage. Nur die Büroeinheiten werden über kompakte, dezentrale Geräte beheizt und belüftet. Technik kommt nur dort zum Einsatz, wo sie wirklich nötig ist.

Auch im Detail prägt die Wiederverwendung das Haus. Die Betonträger des zurückgebauten Dachs sind als Sitzstufen im Eingangsbereich wieder eingebaut. Stahlträger, auf LED umgerüstete Leuchten und eine Gastronomieküche wurden übernommen, ebenso die ehemalige Meisterkabine, die heute als schwebender Besprechungsraum dient. Ziegel, Beton und raues Holz bestimmen die Räume. Neue Stahlbauteile in Resedagrün (RAL 6011) greifen die Farbe der alten Türen und Fassaden auf, sodass Alt und Neu nicht konkurrieren, sondern eine selbstverständliche Kontinuität bilden

Die neuen Einbauten folgen einem modularen Holztragwerk im Raster von 3,60 × 3,60 Metern. Das unverleimte Holz stammt aus dem stadteigenen Wald und wurde in unmittelbarer Nähe verarbeitet, reduzierte Querschnitte steigern die Ausbeute. Die Deckenelemente sind auf die Stützen auf Buchendübeln aufgesteckt. Sichtbare Schrauben machen die Konstruktion nachvollziehbar und erlauben einen zerstörungsfreien Rückbau. Auch die Bürotrennwände aus kleinteiligen, verschraubten Elementen lassen sich mit einfachem Werkzeug demontieren und andernorts wieder einsetzen. Kreislauffähigkeit ist damit kein nachträglicher Zusatz, sondern Entwurfsprinzip: Das Haus verwendet Bauteile der Vergangenheit weiter und hält zugleich Material für die Zukunft bereit.

Entstanden ist eine Architektur, die Alterung zulässt, Aneignung ausdrücklich wünscht und deren Entwicklung bewusst offenbleibt.

Übersichtsplan | © Super BFG
Erdgeschoss
Obergeschoss
Lüftungskonzept
Längsschnitt
Querschnitt

Baustellenfotos

© Frederick Sams
© Frederick Sams
© Julian Forte
© Julian Forte
© Frederick Sams
© Frederick Sams
© Frederick Sams
© Frederick Sams
© Frederick Sams

Weitere Projekte